Gorlebener Gebet

Aktuelles

Halbjahresprogramm

Bilder

Presseberichte

Wir über uns
Neu: Gorlebener Liederbuch

Kontakt

Impressum
Archiv


Für alle, die es interessiert:

HIER kann man die sogenannte "Umweltenzyklika" des Papstes
"LAudato si" lesen und herunterladen (in deutscher Sprache)

Und hier kann man die NDR-Sendung "Widerworte aus dem Wald" nachhören,
Interviews u.a. auch mit Marianne:


 

Liebe Freundinnen und Freunde des Gorlebener Gebets!

Henning Mankell, der bekannte schwedische Autor (nicht nur von Kriminalromanen)
schrieb 2015 in seinem letzten Buch „Treibsand“ über seine Gedanken zum
persönlichen Leben - angesichts seiner Krebserkrankung - und über vieles, was ihn
zeitlebens bewegte. Dabei ist der Umgang mit der Atomenergie und dem Atommüll ein
Thema, das Mankell angesichts der Endlichkeit des Lebens immer wieder aufgreift.

Hier einige Sätze dazu:

In dem Urgestein, das für die Endlagerung vorgesehen ist, wird nichts rosten, nichts verwittern.
Dort wird die unmöglichste aller unmöglichen menschlichen Errungenschaften hunderttausende
Jahre überleben... Den Verantwortlichen für die Endlagerung des Atommülls in Schweden ist es
wohl bewusst,wie wahrhaft menschlich es ist, für ein Morgen zu arbeiten. Man wird seine Arbeit
nicht vollendet sehen.Man schmiedet seinen Teil der langen Kette, aus der die Geschichte der
Menschheit besteht...
Die Wahrheit über unser Dasein ist immer provisorisch. Was wir gestern
wussten, wird von dem, was wir heute wissen, überholt und verändert. Vielleicht ist die Atomkraft
und ihr Abfall etwas, das in jeder Hinsicht von grundlegenden Mustern abweicht?

Dass Gesellschaften und Zivilisationen nicht aufräumen, bevor sie verschwinden, wissen wir.
Aber noch keine hat Abfall hinterlassen, der für Jahrtausende seine Gefährlichkeit behält...

Haben wir noch Zeit, uns zu besinnen?

Ich weiß es nicht. Aber wie ein Mantra kann ich jetzt zum Schluss nur wiederholen, worauf ich
vertraut habe: Für nichts ist es jemals zu spät. Alles ist immer noch möglich.


Von
Franz Alt erschien 2015 das Buch „Was Jesus wirklich gesagt hat“.
Darin geht es nicht es nicht nur um theologisch-kritische Forschung durch
Rückübersetzung vom Griechischen ins Aramäische, der Sprache Jesu, sondern vor
allem um die Aktualisierung der Evangeliumstexte in die heutige Zeit:

Der Kampf gegen die todbringende Atomenergie ist ein Kampf für das Leben. Diese Erkenntnis hat
in Deutschland seit Jahrzehnten hunderttausende Menschen aus Protest auf die Straßen getrieben,
und viele Millionen protestieren heute auf der ganzen Welt gegen AKWs, gegen Castortransporte,
gegen Gentechnik, Klimakiller, Rassismus und Kriege...

Wahrscheinlich wäre Jesus heute bei den Gruppen, die seit mehr als 25 Jahren bei Sonne und
Regen, bei Sturm und Schnee jeden Sonntag im Wald bei Gorleben Gottesdienste gestalten.
Oder er wäre wohl auf einem Greenpeace-Schiff unterwegs, das die Arktis vor dem Zugriff der
großen Ölkonzerne retten will...

Die Anliegen, die uns in den Andachten zum Nachdenken, zum Beten und Handeln
führen, betreffen auch Geschehnisse und Menschen, mit denen wir persönlich verbunden sind.

So bewegt uns auch sehr die Gefangennahme von Peter Steudtner, der mitinternationalen
Gruppen von Menschenrechtlern oft in der „Kurve Wustrow“ Seminare durchgeführt hat
und mit den Teilnehmenden dann immer zum Gorlebener Gebet kam. Wir denken in unseren
Gebeten an ihn und seine Mitgefangenen in der Türkei. Auch in seiner Berliner Gemeinde,
der Gethsemane Kirche, wird für ihn gebetet an jedem Tag um 18 Uhr. Wir hörten, dass zu
diesen Zeiten auch Peter mit Liedern und Gebeten im Herzen dabei ist.

Wir sind verbunden mit vielen Menschen, die das Gorlebener Gebet mittragen und mitgestalten.
Auch wer an den Andachten nicht teilnehmen kann, wird gestärkt in dem Wissen:
„Dort ist eine Gruppe von Getreuen, die unsere Irrwege vor Gott beklagt und
um Beistand und Kraft bittet für die Gestaltung einer gerechten Welt.“
So sagte es
Helena Kritzokat bei einer Andacht. Und weiter:
„Seit 28 Jahren kommen wir hier an diesen Kreuzen in Gorleben an jedem Sonntag
zusammen.Warum hat sich diese Tradition, dieses Ritual so lange halten können?
Glauben wir an die Macht des Gebets, so dass wir denken, unser Singen und Beten bewirkt etwas?
Oder kommen wir hierher, weil wir es anders nicht können, weil wir meinen,
etwas tun zu müssen gegen die todbringenden Kräfte? Wie auch immer:

Es tut gut, hier Gleichgesinnte zu treffen. Wir freuen uns über bekannte Gesichter,und genießen auch das gemeinsame Kaffeetrinken hinterher. Wie Marianne Fritzen schelmisch meinte:

Das Kaffeetrinken ist so nett, dafür lohnt sich das bisschen Beten vorher!“

Das wird uns auch im kommenden Winterhalbjahr stärken, um im vielfachen Widerstand mutig und wirksam zu bleiben.

Wir freuen uns auf gute Begegnungen unter den Kreuzen!

Christa Kuhl